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So. 03.07.2022
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Rheinische Post - 1994Bürgerschützen Birten feiern 40jähriges Bestehen nach Wiederbegründung

Wagenreiter und ein Mundschenk eskortierten früher das Königspaar

von HEIDRUN JASPER

1960 - Festplatz - Bürgerschützen - Bier in Holzkisten
Früher brachten die Bürgerschützen aus Birten ihr Bier in Holzkisten mit zum Festplatz. Das Bild wurde 1960 geschossen

BIRTEN. Birten 1922. Im „Weißen Schwan“ kommen einige Männer zusammen, um einen Schützenverein zu gründen. Jakob Matthaiwe wird zum ersten Vorsitzenden erklärt, Willi Spettmann zum Schriftführer.

Hermann Josten und Theo Angenendt gehören dazu, Johann Ebben wird Major, Jan Wellmann Adjutant. Schnell einigen sie sich auf einen Namen: „Bürgerschützen“ wollen sie sich nennen, mindestens 18 Jahre müssen Nicht verheiratete sein, wenn sie Mitglied werden wollen.

Gegenüber von Schleß am Altrhein wird ein Schießstand aufgebaut, mit großen Karabinern und Kugeln, die bei Schleß gegossen werden, wird auf den Königsvogel gezielt.

Whilhelm Wilmsen ist der erste König der Bürgerschützen, wird mit Königin Auguste Groterhorst in einer Kutsche zum Festsaal „Hof von Holland“ gefahren. Vier Wagenreiter (je zwei vorn und hinten), ein Wagendiener, der gleichzeitig Mundschenk ist, gehört zur Eskorte – alle in Frack mit Schörpe und Federbüschen.


1939 letztes Königsschießen

Die Jahre gehen ins Land, die Bürgerschützen feiern jedes Jahr Schützenfest, haben längst auch eine eigene Fahne. Es bürgert sich ein, dass der König nie seine eigene Ehefrau zur Mitregentin nimmt.

1939, mit Ausbruch des Zweiten Weltkrieges, ist es dann aus: Hermann Ingensiep und Johanna Alders residieren als letztes Königspaar, dann kommt das Vereinsleben zum erliegen. Nicht etwa ein Häufchen Ehemaliger findet sich Jahre später zusammen, um den Bürgerschützenverein wieder zum Leben zu erwecken: Viele junge Leute sind es, die helfen, die Weichen für die Schützen-Zukunft zu stellen.

Robert Bröckerhoff, Erich Hartjes, Willi van Gemmeren - 1966
Die Drei von der Tankstelle: (von links) Robert Böckerhoff, Erich Hartjes und Willi van Germmeren eim Schützenfest im Jahre 1966

Am 31. Januar 1954 ist es so weit: Gerhard Bröckerhoff wird zum ersten Vorsitzenden gemacht, Joseph Rademacher zu seinem Vertreter. Erster Schriftführer ist Karl Brandenburg, zweiter Schriftführer Karl Steffans. Hermann Joost und Theo Angenendt übernehmen die Kasse.


31. Januar 1954 wiederbelebt

Erstes Königspaar: Karl Brandenburg und Karola Maassen
Erstes Königspaar im Jahre der Wiederbegründung: Karl Brandenburg und Karola Maassen

Schnell hat der junge „alte“ Verein wieder 60 Mitglieder, Kirmes und Schützenfest wird fortan Ende August / Anfang September gefeiert. Erster König nach Wiederbegründung ist Karl Brandenburg, Königin ist Karola Maassen.

Der agile Verein mischt fürderhin kräftig mit im Dorfgeschehen – und straft einen Birtener Lügen, der die Wiederbegründung skeptisch mit „wat wollen die Bürger dan, die gonne sowieso kapott“ begleitet hat. Just jener Skeptiker ist übrigens noch heute Mitglied des Bürgerschützenvereins.

Einer, der seit 40 Jahren dabei ist, ist Gerd Terlinden. „Von Beruf bin ich Bauer, aber mein einziges Hobby ist der Bürgerschützenverein“, so die Devise des heute 87jährigen, dem Präsident Norbert Remy und Vereinsmitglied Rolf Trost (er hat die Festschrift zum 40jährigen Bestehen erstellt und gedruckt, die in einer Auflage von 500 Stück zum Preis von zehn Mark verkauft wird) viel zu verdanken haben: Stundenlang hatten die beiden mit Gerd Terlinden zusammengesessen und ihn aus dem Nähkästchen plaudern lassen – heraus kamen so einige Anekdötchen, die in keinem Archiv nachzulesen sind.

Gut zwei Jahre war Norbert Remy, seit 1992 Präsident der Birtener Bürgerschützen, mit den Vorbereitungen fürs Jubiläum zugange. In jeder freien Minute klappert er alte Mitglieder ab, die in ihren Schränken und Schubladen noch alten Fotos suchten und ihm für die Festschrift zur Verfügung stellten.

Und die Broschüre kann sich wahrlich sehen lassen, dürfte nicht nur bei den heute 136 Mitgliedern auf Interesse stoßen: Gespickt mit zahlreichen überaus klaren Fotos, angereichert mit interessanter Vereinsgeschichte und den Anekdötchen von Gerd Terlinden, gibt sie auch denen einen guten Einblick in 40jährige Bürgerschützen-Geschichte, die zu den sogenannten „Tugetrockenen“, den „Zugezogenen“ zählen.

Lückenlos sind sämtliche Vorstände seit 1954 aufgelistet, lückenlos auch die Thronfotos inklusive der Namen aller Königspaare nebst Thronfolge.


Männer der ersten Stunde

Und wenn am nächsten Wochenende Kirmes in Birten gefeiert wird, dann verleiht Präsident Norbert Remy 15 Mitgliedern Treueorden, ohne die es den Bürgerschützenverein nicht gäbe:

  • Gerd Terlinden
  • Hans Eykman
  • Wilhelm Bosmann
  • Viktor Pfalsdorf
  • Gerhard Minten
  • Norbert Huhsmann
  • Otto Höpfner
  • Leo Höpfner
  • Willi van Gemmeren
  • Theo Dahmen
  • Willi Brückerhoff
  • Robert Brückerhoff
  • Joseph van Bebber
  • Wilhelm Angenendt
  • Johann Ackermann

– Alles Männer der ersten Stunde.


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Bürgerschützen Birten feiern 40jähriges Bestehen nach Wiederbegründung